Göttlich wandern an der Amalfiküste…

… und frag mich nicht nach Sonnenschein!

Das Geräusch des herannahenden Regens mischt sich mit dem Gehupe auf der Küstenstraße und der Musik einer Kapelle aus Positano… Es ist der kälteste Mai an der Amalfiküste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und ich schiele enttäuscht auf meinen bunten Bikini… Den werde ich wohl nicht mehr brauchen. Drei Tage dauerte unser Aufenthalt an der unwirklich schönen Amalfiküste und trotz Regenmassen war der Kurzurlaub keineswegs ein Reinfall!Wegweiser Alafiküste - Liefe is a Journey

Nach einer malerischen Fahrt mit unserem Mietwagen vom Flughafen in Neapel entlang der sorentinischen und amalfitanischen Küste haben wir das kleine Bergdörfchen Montepertuso erreicht wo uns Salvatore schon erwartet. Unermüdlich schleppt er meinen Koffer die unzähligen Stufen bis zu seinem Bed & Breakfast L‘ Uliveto durch die herrlich verwinkelten und autofreien Gassen hinunter. Positano mit seinen pastellfarbenen Häuschen die am Hang zu kleben scheinen liegt uns hier oben regelrecht zu Füßen und Salvatore erklärt uns, dass wir den Ort über Stufen in nur 20 min erreichen können… Das werden wir direkt heute Abend ausprobieren! Er präsentiert uns noch stolz seinen Gemüsegarten bevor er uns das Zimmer zeigt. Die Reaktion als er die Flügeltüre zum Balkon aufstößt ist er wohl schon gewöhnt … ich quietsche verzückt, mein Mann ist sprachlos!Bed & Breakfast L´uliveto - Life is a journey

Das verlangt nach einer guten Flasche hiesigen Weins beschließen wir und schon begleitet uns Salvatore zu seinem Bruder, der in einem winzigen Supermarkt im Örtchen eine bessere Weinauswahl inklusive Beratung parat hat als so manche Weinhandlung in Deutschland. Unterwegs lernen wir noch weitere Teile seiner Familie und ein Pony kennen und machen uns mit unserem Einkauf wieder auf den Rückweg. Balkon Aussicht Montepertuso - Life is a journeyAls wir uns endlich vom Ausblick losreißen können hat sich der Himmel schon gefährlich grau verfärbt und wir schaffen es gerade noch die gefühlten 5.000 Stufen – von der sich jede einzelne schon allein wegen der spektakulären Ausblicke lohnt – hinunter nach Positano bevor die Sintflut über uns hereinbricht.

Vor dem Nobelhotel Sirenuse verharren wir unter der Markise und bekommen hier nicht nur einen Schirm geschenkt sondern auch noch Tipps zum Abendessen. Ich bin angetan von so viel bodenständiger, italienischer Gastfreundschaft, beschließe den Regen Regen sein zu lassen und ignoriere das schmatzende Geräusch unserer vollkommen durchnässten Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster. Für große Restaurantsucherei sind wir einfach zu nass und kehren daher bei dem am besten besuchten Restaurant dem Chez Black direkt am kleinen Hafen von Positano ein. Wir sind überrascht vom guten Preis-Leistungsverhältnis trotz der 1A Lage und essen fantastische Antipasti und eine wirklich gute Pizza. Zum Abschluss gibt es ein himmlisches Zitonensorbet und die freundliche Wegbeschreibung zur Bushaltestelle aufs Haus.

Cez Black Positano - Life is a journey

Der Miniaturbus bringt uns zurück in unser Kleinod nach Montepertuso und wir beten vor dem Einschlafen für besseres Wetter, denn für den nächsten Tag haben wir uns viel vorgenommen: einen der schönsten Wanderwege weltweit, den Sentiero degli Dei oder auch Weg der Götter! Und Götter und Dauerregen… das will in meiner Vorstellung irgendwie nicht zusammen passen. Am nächsten Morgen passiert das Unvorstellbare… die Götter sind uns gnädig und lassen die Wolken nach und nach verschwinden. Nach wiederholtem Treppenmarathon fahren wir mit dem Bus nach Amalfi und genießen die wunderschönen Ausblicke die man aus dieser Perspektive hat.

In Amalfi angekommen schlendern wir durch das wuselige Städtchen, schauen uns den Dom an und kaufen noch Proviant für unsere Wanderung. In einem winzigen Lädchen lasse ich mir hauchdünn italienischen Schinken aufschneiden und frisches Focaccia einpacken und fühle mich unglaublich italienisch. In der Pasticeria Leone können wir nicht widerstehen und probieren beim obligatorischen caffè al banco von den unverschämt leckeren Dolcis… ein Traum!

Amalfi dom - Life is a Journey

Bevor wir jetzt aber die schwindelerregende Serpentinen Busfahrt über Furore nach Agerola antreten dürfen haben die Götter noch eine Prüfung für uns parat: die amalfitanischen Bushölle! Am Hafen stehen unzählige blaue Exemplare natürlich ohne jegliche Angabe zum Zielort. Wer jetzt glaubt hier gibt es ja dann bestimmt Haltestellen mit Fahrplänen oder Ähnlichen der täuscht! Hier heißt es aufmerksam und vor allem schnell sein… denn von einer Sekunde auf die andere fuchtelt ein kleiner geschäftiger Italiener mit den Armen, ein Bus parkt ohne Rücksicht auf  Verluste aus, der Name des Fahrtziels wird ein paar Mal in die Menge gerufen und los geht die lustige Fahrt. Wer also mit will, sollte unbedingt vorher die Fahrkarte kaufen und wer kein italienisch kann, aber trotzdem wandern möchte, immer den Touristen mit den albernen Hüten und Wanderrucksäcken hinterher! Ansonsten… viel Glück!Sentiero degli Dei - Life is a journey

Der Start des Sentiero degli dei ist im kleinen Bomerano schnell gefunden und was sich direkt nach den ersten paar Minuten vor uns ausbreitet ist wahrhaft göttlich! An den grünen Hängen finden wir ein Bilderbuchpanorama … zitronengelber Löwenzahn, rote Mohnblumen und kleine Margeriten und Gräser wiegen sich im Wind. Und das alles vor dem tiefblauen und smaragdfarbene Meer, welches tief unter uns nur hin und wieder von einem Boot gekreuzt wird. Vor uns können wir aus immer neuen Perspektiven die Amalfiküste und sogar Capri sehen während uns der Duft von wilden Rosmarin begleitet, der hier neben den grüngrauen Olivenbäumen und Wein überall wächst.

Hin und wieder hören wir Ziegenglocken und steigen gerne über die Steine, die uns die Götter hier in den Weg gelegt haben. Auf der Hälfte der Strecke legen wir dann eine kleine Pause ein um unser Picknick zu machen. Auch wenn die Strecke bis nach Montepertuso gut 10 km misst, sollte man sich diese Wanderung auf keinen Fall entgehen lassen!

Als wir das B&B wieder erreichen sind wir vollkommen platt, aber glücklich. Heute Abend hat uns Salvatore einen Tisch im La Tagliata reserviert, wo er auch selber kellnert. Wir werden sogar von einem seiner Kollegen vom Restaurant mit dem Auto abgeholt und bekommen einen Tisch mit Traumaussicht… was für ein Service! Eine Karte gibt es nicht sondern ein festes Menue. Das Essen ist reichhaltig, wahnsinnig lecker und hausgemacht und wir erfahren dass unser Ex-Kanzler Schröder hier gerne ein und ausgeht. Nach Antipasti, Pasta, Fleisch und Dolci treten wir dann freiwillig den Rückweg zu Fuß an … Mamma Mia!

La Tagliata Außenansicht - Life is a Journey

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns schon wieder von unseren Gastgebern und bekommen noch selbstgemachte Marmelade mit auf den Weg! Unseren letzten Tag verbringen wir bei unseren Freunden in Salerno und haben so die Möglichkeit auch die letzten Meter der Küste zu genießen. In Minori machen wir kurz halt um uns dort Crema di Limone direkt aus der kleinen Manufaktur von Carlo Mansi zu besorgen. Als wir abends im Restaurant Porto Vechio in Salerno sitzen, müssen wir feststellen, dass die Zeit schon wieder viel zu schnell vorbei ging… sich aber eine Kurzreise nach Italien immer wieder lohnt!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Simone,
    danke für den schönen Bericht über Eure Wanderung an der Amalfiküste. Zu diesem traumhaften Teil Italiens bin ich bisher nur ansatzweise gekommen. Euer Bericht bestärkt mich es Euch in Bälde gleichzutun!
    Danke und viele Grüße aus Bayern!
    Wolfgang Rotter